Eine Linse für Herrn Nilsson

In der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) wurden zwei männliche Weißhandgibbons operiert, die die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen kurz zuvor aufgenommen hatte. Der Leiter der Wildtierstation, Dr. Florian Brandes, hatte bei einem der beiden Affen eine beidseitige Linsentrübung festgestellt. Wir haben eine künstliche Augenlinse für die Operation des Weißhandgibbons gespendet und freuen uns sehr, dass der Patient wohlauf ist.  

„Die Linsentrübung war vermutlich angeboren“, erklärt Professor Dr. Michael Fehr, Direktor der Klinik für Kleintiere, „diese sogenannte Katarakt ist bei Affen sehr selten. Beim Menschen ist er als Grauer Star bekannt.“ Linsentrübungen sind beim Menschen und auch bei Hunden sehr häufig. In der Klinik für Kleintiere gehört das Einsetzen einer neuen Linse zu den Standardeingriffen. „Die Trübung der Linse war sehr weit fortgeschritten. Darum gehen wir davon aus, dass der Gibbon kaum noch etwas sehen konnte. Auch sein Verhalten spricht dafür, dass seine Sehkraft sehr stark eingeschränkt war“, so Fehr. Da bisher weltweit keine Erfahrungen mit der Implantation künstlicher Linsen beim Gibbon vorliegen, holte die auf Augenheilkunde spezialisierte Tierärztin, Dr. Elena de Ferrari, Unterstützung aus der Humanmedizin: Sie führte die Operation gemeinsam mit Professor Dr. Burkhard Wiechens und Dr. Meghana Varde aus der Augenklinik im KRH Klinikum Nordstadt durch. Die Anästhesie übernahm das Team von Professorin Dr. Sabine Kästner aus der Klinik für Kleintiere. Die Ärzte wählten nach der ophthalmologischen Untersuchung die für diese Affengröße passenden künstlichen Augenlinsen aus, die die Firma eye concept aus Falkensee kostenlos zur Verfügung stellte. In einer mehrstündigen Operation entfernten sie die in beiden Augen veränderte Linse und ersetzten sie durch künstliche Linsen. „Der Gibbon hat die OP gut überstanden“, sagt Dr. Elena de Ferrari, „er wurde anschließend sofort zurück in die Wildtier- und Artenschutzstation gebracht.“

Florian Brandes berichtete, dass der Affe sich dort in den ersten drei Tagen zunächst sehr ruhig verhielt. Da er keine Versuche unternahm, sich an den Augen zu reiben, scheinen ihn die neuen Linsen oder der Eingriff am Auge nicht zu stören. Bereits am Tag nach der Operation nahm der Weißhandgibbon Futter und die notwendigen Medikamente auf. Brandes sagt: „Er wird immer munterer, hält die Augen offen und es scheint als ob er seine Umgebung und die Gegenstände beobachtet, er reagiert auf Bewegung und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit durch das Gehege, die wir vor der Operation nie beobachten konnten.“

Die insgesamt drei Weißhandgibbons – Vater und zwei männliche Nachkommen – stammen aus einem kleinen Tierpark, in dem sie nicht mehr tierschutzgerecht untergebracht werden konnten. Nach ihrer Genesung in der Wildtier- und Artenschutzstation sollen sie in ein extra für sie gebautes und artgerechtes Gehege in einem Tierpark in den Niederlanden umziehen.

Die Pressemitteilung und weitere Fotos finden Sie hier:
http://www.tiho-hannover.de/aktuelles-presse/pressemitteilungen/…



24 August, 2016 16:00

Kategorien: News

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